Patientenversorgung

Die Patientenversorgung in Deutschland gliedert sich in ambulante, stationäre und rehabilitative Sektoren. Rund 175.000 niedergelassene Ärzte, 1.700 Krankenhäuser und über 25.000 Apotheken bilden ein dichtes Versorgungsnetz mit sektoralen Bruchstellen.

Von Burak Uzun, Geschäftsführer der Sanofeld GmbH · Aktualisiert am 06.02.2025

Ambulante und stationäre Versorgung

Ambulante Versorgung

Der weit überwiegende Teil aller Behandlungen findet ambulant statt. Hausärzte fungieren als erste Anlaufstelle und Lotsen im System (Gatekeeping). Über die Bedarfsplanung des G BA ist die regionale Verteilung der Vertragsarztsitze gesteuert. Trotzdem bestehen erhebliche Versorgungsungleichheiten: Während in Ballungsräumen Überversorgung herrscht (bis 140 Prozent Versorgungsgrad bei Fachärzten), bleiben ländliche Regionen unterversorgt. Die Terminservicestellen der KVen (116117) sollen Wartezeiten auf Facharzttermine reduzieren.

Stationäre Versorgung

Deutschland hat eine der höchsten Krankenhausdichten Europas. Die Verweildauer ist von durchschnittlich 14 Tagen (1990) auf 7,2 Tage (2023) gesunken. Das DRG System setzt ökonomische Anreize für kurze Liegezeiten, was die Arbeitsverdichtung für Pflegekräfte erhöht und Fragen der Versorgungsqualität aufwirft. Die Krankenhausreform soll durch Vorhaltevergütung und Leistungsgruppen die Qualität vor Menge stellen.

Sektorenübergreifende Versorgung

Die strikte Trennung von ambulant und stationär ist das zentrale Strukturproblem des deutschen Gesundheitssystems. Informationen gehen an den Übergängen verloren, Doppeluntersuchungen werden durchgeführt, Anschlussversorgung verzögert sich. Integrierte Versorgungsverträge (§140a SGB V) und die elektronische Patientenakte sollen diese Brüche überbrücken.

Notfallversorgung

Strukturen

Die Notfallversorgung besteht aus drei Säulen: dem Rettungsdienst (Notärzte, Rettungswagen), den Notaufnahmen der Krankenhäuser und dem ärztlichen Bereitschaftsdienst (116117) der KVen. Die fehlende Koordination zwischen diesen Säulen führt dazu, dass rund 50 Prozent der Notaufnahmebesucher keine stationäre Behandlung benötigen und eigentlich ambulant versorgt werden könnten.

Notfallstufenkonzept des G BA

Der G BA hat ein dreistufiges Notfallstufenkonzept beschlossen. Stufe 1 (Basisnotfallversorgung), Stufe 2 (erweiterte Notfallversorgung) und Stufe 3 (umfassende Notfallversorgung) definieren Mindestanforderungen an Personal, Ausstattung und Erreichbarkeit. Krankenhäuser ohne Notfallstufe erhalten keine Notfallzuschläge. Integrierte Notfallzentren (INZ) an der Schnittstelle von Notaufnahme und KV Bereitschaftsdienst sollen die Patientensteuerung verbessern.

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Versorgung chronisch Kranker

Disease Management Programme

DMP nach §137f SGB V strukturieren die Behandlung chronisch Kranker. Programme existieren für Diabetes Typ 1 und 2, KHK, Asthma, COPD und Brustkrebs. Rund 7 Millionen Patienten sind in DMP eingeschrieben. Die Programme umfassen regelmäßige Kontrolluntersuchungen, Patientenschulungen, abgestimmte Pharmakotherapie und eine Dokumentation, die den Behandlungsverlauf über Jahre nachvollziehbar macht. Evaluationsstudien des BVA zeigen geringere Hospitalisierungsraten und niedrigere Mortalität bei DMP Teilnehmern.

Multimorbidität und Polypharmazie

Etwa zwei Drittel der über 65 Jährigen leiden an mindestens zwei chronischen Erkrankungen. Die Koordination zwischen mehreren Fachärzten, die Vermeidung von Interaktionen bei Polypharmazie und die patientenzentrierte Priorisierung von Therapiezielen sind die zentralen Herausforderungen in der Versorgung multimorbider Patienten.

Entlassmanagement

Paragraf 39 Absatz 1a SGB V verpflichtet Krankenhäuser zum Entlassmanagement. Der Expertenstandard Entlassungsmanagement in der Pflege (DNQP) definiert die pflegerischen Aufgaben: Einschätzung des poststationären Versorgungsbedarfs, Planung der Anschlussversorgung, Koordination mit ambulanten Leistungserbringern und Schulung des Patienten und seiner Angehörigen.

Die elektronische Patientenakte und Patientenportale sollen den Informationstransfer bei Entlassung sicherstellen. In der Realität erreichen Entlassbriefe den Hausarzt oft erst Tage nach der Entlassung, Medikationsänderungen werden nicht kommuniziert, und die Anschlussrehabilitation beginnt verspätet.

Patientenversorgung: Kommunikation und Positionierung

Weil so viele Akteure beteiligt sind, müssen Kliniken, Versorger und Kostenträger ihre Angebote verständlich erklären.

  • Kliniken: Positionierung als Zentrum für bestimmte Leistungsgruppen, Qualitätskommunikation und Patientengewinnung.
  • Versorger und Dienstleister: Pflegedienste, Rehabilitationseinrichtungen und MVZ kommunizieren ihre Leistungen gegenüber Zuweisern und Patienten.
  • Kostenträger: Krankenkassen informieren über DMP, Versorgungsverträge und digitale Angebote.

Sanofeld unterstützt als Healthcare Agentur Kliniken und Gesundheitsdienstleister bei Kommunikation, Content Marketing und Fachpressearbeit.

Siehe auch: Gesundheitsversorgung · Versorgungsmanagement · Patient Journey · Healthcare PR · Medical Writing · Gesundheitsgüter · Gesundheitskiosk

Patientenversorgung in Zahlen

Wie groß die Versorgungslandschaft tatsächlich ist, zeigen die amtlichen Strukturdaten. Sie machen sichtbar, wo Kapazitäten konzentriert sind und wie stark der ambulante Sektor das Geschehen prägt. Die folgenden Werte stammen aus den jüngsten verfügbaren Erhebungen des Statistischen Bundesamts, des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

KennzahlWertQuelle (Jahr)
Krankenhäuser1.874Destatis (2023)
Aufgestellte Krankenhausbetten476.924 (Auslastung 71,2 %)Destatis (2023)
Stationär behandelte Patienten17,2 Mio.Destatis (2023)
Ambulante vertragsärztliche Behandlungsfälle575 Mio.Zi (2023)
Ambulante Notfallbehandlungen in Notaufnahmen12,4 Mio.Destatis (2023)
Medizinische Versorgungszentren (MVZ)4.897KBV (Ende 2023)

Die Relationen verdeutlichen, warum die Steuerung an den Sektorengrenzen so entscheidend ist: Den 17,2 Millionen stationären Fällen stehen 575 Millionen ambulante Behandlungsfälle gegenüber, der Großteil der Versorgung läuft also außerhalb der Klinik. Zugleich erreichten die ambulanten Notfallbehandlungen in den Notaufnahmen 2023 mit 12,4 Millionen den höchsten Stand seit Beginn der Erfassung 2018. Auch die Trägerstruktur verschiebt sich: Von den 4.897 MVZ Ende 2023 befanden sich 2.336 in Krankenhausträgerschaft und damit erstmals mehr als die 2.294 in vertragsärztlicher Hand. Für die personelle Absicherung im Krankenhaus gibt zudem die Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung nach Paragraf 137i SGB V verbindliche Verhältniszahlen in pflegesensitiven Bereichen vor, deren Einhaltung die Häuser gegenüber dem GKV-Spitzenverband nachweisen müssen.

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