Die elektronische Patientenakte speichert Befunde, Arztbriefe, Laborwerte und Medikationsdaten zentral und sicher in der Telematikinfrastruktur. Mit der Opt out Regelung seit Januar 2025 erhalten alle gesetzlich Versicherten automatisch eine ePA, sofern sie nicht aktiv widersprechen.
Von Burak Uzun, Geschäftsführer der Sanofeld GmbH · Aktualisiert am 12.02.2025
Die elektronische Patientenakte (ePA) ist eine digitale, lebenslange Gesundheitsakte für jeden gesetzlich Versicherten. Sie bündelt medizinische Dokumente, die bisher verstreut in Praxen, Kliniken und bei Therapeuten lagen, an einem zentralen Ort. Ärzte, Apotheker und andere Leistungserbringer greifen über die Telematikinfrastruktur auf die ePA zu, Patienten über eine App ihrer Krankenkasse.
Die klassische Krankenakte gehört der Praxis oder dem Krankenhaus und enthält nur die dort erhobenen Befunde. Die ePA gehört dem Versicherten. Er entscheidet, welche Daten gespeichert werden und wer darauf zugreifen darf. Der Versicherte kann einzelne Dokumente verbergen oder den Zugriff für bestimmte Leistungserbringer einschränken.
Die ePA nimmt strukturierte und unstrukturierte Daten auf: Arztbriefe, Befundberichte, Laborergebnisse, Bildgebung (DICOM), Impfdokumentation, Mutterpass, U Heft, Zahnbonusheft, den elektronischen Medikationsplan sowie Verordnungsdaten aus dem E Rezept. Perspektivisch sollen auch Daten aus Digitalen Gesundheitsanwendungen und Pflegedokumentationen einfließen.
Das Patientendaten Schutzgesetz (PDSG) von 2020 schuf die rechtliche Basis für die ePA. Das Terminservice und Versorgungsgesetz (TSVG) verpflichtete Krankenkassen, ihren Versicherten ab 2021 eine ePA anzubieten. Das Digital Gesetz (DigiG) von 2023 vollzog den Paradigmenwechsel: Ab dem 15. Januar 2025 erhalten alle gesetzlich Versicherten automatisch eine ePA, sofern sie nicht widersprochen haben.
Die Umstellung vom freiwilligen Opt in zum Opt out Verfahren folgte der Erkenntnis, dass die bisherige Nutzung mit unter einem Prozent weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Andere europäische Länder wie Österreich, Estland und Dänemark hatten mit Opt out Modellen deutlich höhere Nutzungsraten erzielt. Der Deutsche Ethikrat und der Sachverständigenrat Gesundheit sprachen sich für diesen Wechsel aus.
Versicherte können der Einrichtung ihrer ePA jederzeit bei ihrer Krankenkasse widersprechen, schriftlich, telefonisch oder über die Kassen App. Die Kasse muss den Widerspruch unverzüglich umsetzen und die ePA samt aller Daten löschen. Ein späterer Wiedereinstieg ist möglich. Etwa fünf Prozent der Versicherten haben nach Kassenangaben vor dem Start widersprochen.
Sanofeld ist eine Healthcare Agentur für Omnichannel Marketing, RX & OTC, Social Media und Paid Marketing.
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Die ePA Daten liegen verschlüsselt auf Servern innerhalb der Telematikinfrastruktur. Jede Krankenkasse betreibt oder beauftragt ein ePA Aktensystem. Die Verschlüsselung erfolgt mit einem individuellen Schlüssel, der dem Versicherten gehört. Selbst der Betreiber des Aktensystems kann die Inhalte nicht im Klartext lesen.
Leistungserbringer befüllen die ePA über ihre Praxisverwaltungssysteme (PVS) oder Krankenhausinformationssysteme (KIS). Die ePA für alle sieht eine automatische Befüllung vor: Ab dem Roll out werden Arztbriefe, Befunde und Medikationsdaten nach jedem Kontakt automatisch in die ePA übertragen, sofern der Versicherte nicht widerspricht. Ärzte greifen über ihren elektronischen Heilberufsausweis (eHBA) und die TI auf die ePA zu.
Die Inhalte der ePA folgen den Medizinischen Informationsobjekten (MIO) der KBV. Diese standardisierten Datenformate basieren auf HL7 FHIR und sorgen dafür, dass ein Impfpass aus dem PVS eines Hausarztes im KIS einer Klinik korrekt dargestellt wird. Die gematik spezifiziert die Schnittstellen, die KBV definiert die inhaltlichen Profile.
Der Versicherte bestimmt, wer auf seine ePA zugreifen darf. Er kann Berechtigungen auf Ebene einzelner Leistungserbringer oder Leistungserbringergruppen erteilen und entziehen. Er kann einzelne Dokumente oder ganze Kategorien verbergen. Diese Einstellungen nimmt er über die ePA App seiner Krankenkasse vor oder, falls er die App nicht nutzt, über die Ombudsstelle der Kasse.
Besonders sensible Daten, etwa aus der Psychiatrie, Suchtmedizin oder Schwangerschaftsberatung, können einer erhöhten Vertraulichkeitsstufe zugeordnet werden. Der Zugriff erfordert dann eine explizite Freigabe durch den Versicherten. Ohne diese Freigabe bleiben die Daten auch für berechtigte Ärzte unsichtbar.
Das Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG) ermöglicht die pseudonymisierte Nutzung von ePA Daten für die medizinische Forschung. Das Forschungsdatenzentrum Gesundheit beim BfArM aggregiert und pseudonymisiert die Daten. Versicherte können der Forschungsdatenfreigabe separat widersprechen, unabhängig von der ePA Nutzung selbst.
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Eine Studie des Sachverständigenrats Gesundheit schätzt, dass redundante Diagnostik das deutsche Gesundheitswesen jährlich mit mehreren Milliarden Euro belastet. Wenn Befunde und Bildgebung in der ePA verfügbar sind, entfallen unnötige Wiederholungsuntersuchungen. Der Radiologe sieht das MRT des Kollegen, der Orthopäde den Laborwert des Hausarztes.
Der elektronische Medikationsplan in der ePA erfasst alle verordneten und selbst gekauften Arzneimittel. Verordnungssoftware kann auf dieser Basis Wechselwirkungschecks durchführen, die den gesamten Medikationsumfang berücksichtigen, nicht nur die eigene Verordnung. Etwa 250.000 Krankenhauseinweisungen pro Jahr in Deutschland gehen auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen zurück. Ein vollständiger Medikationsüberblick könnte einen erheblichen Teil davon verhindern.
Bei Arztwechseln, Klinikeinweisungen oder Notfällen stehen relevante Vorinformationen sofort zur Verfügung. Die ePA überbrückt die Informationslücke an den Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, die im deutschen Gesundheitssystem seit Langem als Schwachstelle gilt.
Die elektronische Patientenakte (ePA) ist ein zentraler Bestandteil der digitalen Gesundheitsversorgung in Deutschland. Sie ermöglicht Versicherten, medizinische Dokumente sicher zu speichern und mit Ärztinnen, Ärzten und anderen Leistungserbringern zu teilen. Hier sind die häufigsten Fragen zur Nutzung, Befüllung und den technischen Anforderungen der ePA.
Die ePA ist eine digitale Akte, in der medizinische Daten wie Diagnosen, Befunde, Medikationspläne und Krankenhausentlassbriefe gespeichert werden können. Sie dient dazu, die medizinische Versorgung zu verbessern und Doppeluntersuchungen zu vermeiden.
Alle gesetzlich Krankenversicherten haben Anspruch auf eine ePA. Ab 2025 wird sie automatisch für alle Versicherten erstellt, es sei denn, sie widersprechen (Opt Out Regelung).
Die ePA enthält:
Die ePA wird von den behandelnden Ärztinnen und Ärzten befüllt. Sie sind verpflichtet, bestimmte Dokumente hochzuladen, z. B. Befunde aus invasiven und nichtinvasiven Untersuchungen.
Ja, Versicherte können über die ePA App eigene Dokumente hinzufügen und verwalten.
Nur die Versicherten selbst entscheiden, wer auf ihre ePA zugreifen darf. Ärzte, Zahnärzte, Apotheken oder andere medizinische Einrichtungen benötigen eine Freigabe durch den Patienten.
Ja, die ePA erfüllt hohe Datenschutzanforderungen. Die Daten werden verschlüsselt gespeichert und sind nur mit einer Freigabe durch den Patienten einsehbar.
Ja, Versicherte können Dokumente aus der ePA jederzeit selbstständig löschen.
Der Zugriff erfolgt über die ePA App der Krankenkassen. Hier können Versicherte Dokumente einsehen, verwalten und Freigaben steuern.
Praxen benötigen eine Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI) sowie ein Praxisverwaltungssystem, das mit der ePA kompatibel ist.
Ab 2025 wird die ePA für alle Versicherten eingerichtet, es sei denn, sie widersprechen aktiv. Wer die ePA nicht nutzen möchte, kann sie jederzeit deaktivieren.
Zukünftig sollen weitere Funktionen wie Telemedizin Integrationen, automatische Befüllung durch Labore und eine verbesserte Nutzerfreundlichkeit eingeführt werden.
Versicherte sollten sich über ihre Nutzungsmöglichkeiten und Rechte informieren, etwa zu Zugriffsfreigaben, Widerspruch und dem Einsehen der eigenen Daten über die Kassen-App.
Die Einführung der ePA erzeugt Kommunikationsbedarf auf allen Ebenen des Gesundheitswesens. Krankenkassen müssen 73 Millionen Versicherte über Funktionen und Widerspruchsrecht informieren. Praxisteams brauchen Schulungen. IT Dienstleister müssen ihre Systeme vermarkten.
Sanofeld unterstützt als Healthcare Agentur Krankenkassen, IT Dienstleister und Leistungserbringer bei der Kommunikation rund um die elektronische Patientenakte.
Siehe auch: Elektronische Gesundheitskarte · E Rezept · Patientendaten · Digital Health · Gesundheits Apps · Medical Writing
Nach einer Testphase in den Modellregionen Hamburg, Franken und Nordrhein-Westfalen, die am 15. Januar 2025 mit rund 200 Arztpraxen, etwa 60 Apotheken und neun Krankenhäusern startete, ging die ePA für alle am 29. April 2025 bundesweit an den Start. Seit dem 1. Oktober 2025 sind Praxen, Krankenhäuser und Apotheken gesetzlich verpflichtet, behandlungsrelevante Dokumente wie Arztbriefe und Befunde einzustellen, sofern der Versicherte nicht widerspricht.
Ein Jahr nach dem bundesweiten Start zog die gematik eine erste Bilanz. Die Zahlen zeigen, dass die Akte auf Seiten der Leistungserbringer bereits breit genutzt wird, während die aktive Nutzung durch Versicherte noch verhalten anläuft.
| Kennzahl | Wert | Quelle (Stand) |
|---|---|---|
| Angelegte Akten durch Krankenkassen | rund 73 Millionen | gematik (04/2026) |
| Hinterlegte Dokumente | mehr als 100 Millionen | gematik (04/2026) |
| (Zahn-)Arztpraxen mit wöchentlichem Zugriff | bis zu 93.000 | gematik (04/2026) |
| Abrufe von Medikationslisten pro Woche | mehr als 21 Millionen | gematik (04/2026) |
| Versicherte mit registrierter GesundheitsID | 5,1 Millionen | gematik (04/2026) |
Der Kontrast zwischen den über 100 Millionen Dokumenten und nur 5,1 Millionen registrierten GesundheitsIDs verweist auf die zentrale Kommunikationsaufgabe der kommenden Jahre. Die automatische Befüllung trägt die Akte inhaltlich, doch der Mehrwert für Versicherte entfaltet sich erst, wenn diese ihre Daten über die Kassen-App auch selbst einsehen und steuern.
Sanofeld ist eine Healthcare Agentur für Omnichannel Marketing, RX & OTC, Social Media und Paid Marketing.