Versorgungsmanagement

Versorgungsmanagement koordiniert die Behandlung über Sektoren, Berufsgruppen und Zeiträume hinweg. Disease Management Programme, Case Management und integrierte Versorgungsverträge strukturieren die Betreuung insbesondere chronisch kranker Patienten.

Von Burak Uzun, Geschäftsführer der Sanofeld GmbH · Aktualisiert am 12.02.2025

Versorgungsmanagement: Grundlagen

Versorgungsmanagement (Care Management) bezeichnet die geplante Koordination und Steuerung von Gesundheitsleistungen über einzelne Behandlungen hinweg. Im fragmentierten deutschen Gesundheitssystem mit seiner strikten Sektorentrennung fällt die Koordination oft durchs Raster. Patienten navigieren eigenständig zwischen Hausarzt, Fachärzten, Klinik, Rehabilitation und diversen Gesundheitsdienstleistern. Versorgungsmanagement schließt diese Lücken durch strukturierte Programme mit klar definierten Zuständigkeiten, die den Informationsfluss zwischen den Beteiligten regeln.

Case Management

Case Manager begleiten komplex erkrankte Patienten durch das System. Sie koordinieren Termine, organisieren Heil und Hilfsmittel, vermitteln Pflegedienste und stellen die Informationskontinuität sicher. Krankenkassen setzen Case Manager vor allem bei Hochkostenpatienten und multimorbiden Versicherten ein. Der Return on Investment liegt Studien zufolge bei 1:2 bis 1:4 durch vermiedene Hospitalisierungen.

Disease Management Programme

Die DMP nach §137f SGB V sind die am weitesten verbreitete Form strukturierter Versorgung in Deutschland. Rund 7 Millionen Patienten sind eingeschrieben, die meisten in den Programmen für Diabetes Typ 2 (4,6 Mio) und koronare Herzkrankheit (1,8 Mio). Weitere DMP existieren für Asthma, COPD, Brustkrebs, Diabetes Typ 1, chronischen Rückenschmerz und Depression.

Kerninhalte: evidenzbasierte Behandlungspfade, regelmäßige Kontrolluntersuchungen, Patientenschulungen, strukturierte Dokumentation und Feedbackberichte für Ärzte. Evaluationen des BVA zeigen: DMP Teilnehmer erleiden weniger Hospitalisierungen, haben bessere HbA1c Werte (Diabetes) und niedrigere Mortalitätsraten als vergleichbare Nichtteilnehmer.

Healthcare Marketing Agentur

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Intersektorale Versorgungsmodelle

Integrierte Versorgungsverträge nach §140a SGB V ermöglichen Krankenkassen und Leistungserbringern, die Sektorengrenzen zu überwinden. Das Vorzeigemodell Gesundes Kinzigtal im Schwarzwald hat eine populationsbasierte integrierte Versorgung für 33.000 Versicherte aufgebaut: Ein Managementunternehmen koordiniert ambulante, stationäre und rehabilitative Leistungen. Die Evaluation zeigt bessere Versorgungsergebnisse bei niedrigeren Kosten.

Selektivverträge nach §73b (Hausarztzentrierte Versorgung) und §73c SGB V ergänzen den Kollektivvertrag. In Baden Württemberg sind über 1,5 Millionen Versicherte in die Hausarztzentrierte Versorgung eingeschrieben. Modelle mit Kopfpauschalen und Erfolgskomponenten schaffen Anreize für Prävention und Koordination statt für Einzelleistungsmaximierung.

Digitales Versorgungsmanagement

Telemedizin und Telemonitoring ermöglichen die Überwachung chronisch Kranker zwischen den Arztbesuchen. Herzinsuffizienz Patienten mit implantiertem Device übermitteln Vitalparameter an ein telemedizinisches Zentrum, das bei Auffälligkeiten interveniert. Die TIM HF II Studie der Charité zeigte eine Reduktion der ungeplanten Hospitalisierungen um 26 Prozent und der Mortalität um 33 Prozent.

Versorgungsplattformen wie die elektronische Fallakte und digitale Patientennavigationssysteme verbessern die Koordination. Perspektivisch werden ePA und DiGA zu integrierten Versorgungsinstrumenten, die strukturierte Datenflüsse über Sektorengrenzen hinweg ermöglichen.

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Sanofeld ist eine Healthcare Agentur für Omnichannel Marketing, RX & OTC, Social Media und Paid Marketing.

E-Mail

burak.uzun@sanofeld.de

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50670 Köln

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Versorgungsmanagement: Kommunikation und Positionierung

  • Kassenkommunikation: DMP Marketing, Mitgliederbindung durch Versorgungsprogramme.
  • IT und Plattformen: Anbieter von Versorgungsplattformen und Telemonitoring adressieren Kassen und Leistungserbringer.
  • Beratung: Managementberatungen kommunizieren Versorgungsoptimierung.

Sanofeld unterstützt als Healthcare Agentur Unternehmen im Versorgungsmanagement bei Content Marketing und Fachkommunikation.

Siehe auch: Gesundheitsversorgung · Patientenversorgung · Telemedizin · Healthcare PR · Medical Writing

Versorgungsmanagement in Zahlen: Digitalisierung und Pflege

Zwei Entwicklungen prägen das deutsche Versorgungsmanagement seit 2025: der bundesweite Start der elektronischen Patientenakte als sektorenübergreifende Datenbasis und der weiter steigende Koordinationsbedarf bei einer wachsenden Zahl pflegebedürftiger Menschen. Die folgenden Kennzahlen ordnen ein, wie stark digitale Anwendungen und demografischer Druck das Feld gerade verändern.

ePA für alle: Zeitplan und Akzeptanz

Die elektronische Patientenakte ist das zentrale Instrument, um Befunde, Diagnosen und Medikation über Sektorengrenzen hinweg verfügbar zu machen. Der Rollout der ePA für alle startete am 15. Januar 2025 in Modellregionen und ging am 29. April 2025 in den bundesweiten Betrieb. Für Praxen ist die Nutzung samt Befüllung mit Behandlungsdaten seit dem 1. Oktober 2025 verpflichtend. Die Akzeptanz fiel höher aus als erwartet: Statt der vom Bund prognostizierten rund 20 Prozent widersprachen nur etwa 5 Prozent der gesetzlich Versicherten der automatischen Anlage.

KennzahlWertQuelle (Jahr)
Start ePA in Modellregionen15. Januar 2025gematik (2025)
Bundesweiter Rollout-Start29. April 2025gematik (2025)
Nutzungspflicht für Praxenab 1. Oktober 2025KV Nordrhein (2025)
Widerspruchsquote (Opt-out)rund 5 ProzentKZV Baden-Württemberg (2025)

DiGA und Pflege als Treiber

Digitale Gesundheitsanwendungen ergänzen strukturierte Programme zunehmend um softwarebasierte Bausteine. Bis Ende 2025 wurden seit der Einführung 2020 rund 1,9 Millionen DiGA verordnet oder genehmigt, die GKV-Leistungsausgaben summierten sich auf etwa 400 Millionen Euro. Mehr als die Hälfte der Verordnungen, genau 51 Prozent, stellten Hausärztinnen und Hausärzte aus. Parallel wächst der Koordinationsbedarf in der Pflege deutlich.

KennzahlWertQuelle (Jahr)
DiGA verordnet/genehmigt seit 2020rund 1,9 Mio.DiGA-Bericht GKV-SV (2025)
Kumulierte GKV-Ausgaben für DiGArund 400 Mio. EuroDiGA-Bericht GKV-SV (2025)
DiGA-Verordnungen durch Hausärzte51 ProzentDiGA-Bericht GKV-SV (2025)
DiGA im BfArM-Verzeichnis (31.12.2025)58GKV-SV / BfArM (2025)
Pflegebedürftige (Dez. 2023)5,7 Mio.Destatis (2024)
davon zu Hause versorgt4,9 Mio. (86 %)Destatis (2024)
Anstieg ggü. 2021+15 ProzentDestatis (2024)

Für Krankenkassen, Plattformanbieter und Leistungserbringer verschiebt sich die Aufgabe damit von der reinen Programmverwaltung hin zur Steuerung digitaler Datenflüsse und zur Versorgung einer wachsenden Gruppe multimorbider, häufig zu Hause betreuter Patienten.

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