E Rezept

Seit dem 1. Januar 2024 ist das E Rezept für verschreibungspflichtige Arzneimittel in Deutschland verpflichtend. Das rosa Papierrezept gehört der Vergangenheit an. Ärzte signieren die Verordnung elektronisch, Patienten lösen sie per Gesundheitskarte, App oder Ausdruck in der Apotheke ein.

Von Burak Uzun, Geschäftsführer der Sanofeld GmbH · Aktualisiert am 10.02.2025

Das E Rezept in Deutschland

Einführung und gesetzlicher Rahmen

Das Patientendaten Schutzgesetz (PDSG) und das Digitale Versorgung und Pflege Modernisierungsgesetz (DVPMG) legten die rechtliche Basis. Nach mehreren verschobenen Startterminen wurde das E Rezept ab Juli 2023 in immer mehr Regionen ausgerollt und ist seit dem 1. Januar 2024 für alle Vertragsärzte bei der Verordnung verschreibungspflichtiger Arzneimittel zu Lasten der GKV verpflichtend.

Technischer Ablauf

Der Arzt erstellt die Verordnung in seinem Praxisverwaltungssystem und signiert sie mit seinem elektronischen Heilberufsausweis (eHBA) über die Telematikinfrastruktur. Das signierte E Rezept wird auf dem E Rezept Fachdienst der gematik gespeichert. Der Patient erhält einen Token, der das Rezept referenziert.

Drei Einlösewege stehen zur Verfügung:

eGK in der Apotheke: Der häufigste Weg. Der Patient steckt seine elektronische Gesundheitskarte in das Kartenterminal der Apotheke. Das System ruft alle offenen E Rezepte ab. Bei NFC fähigen Karten genügt das Auflegen.

E Rezept App: Die App der gematik zeigt alle offenen Verordnungen an. Der Patient kann das Rezept einer Apotheke seiner Wahl zuweisen oder den darin enthaltenen Datamatrix Code vorzeigen.

Papierausdruck: Für Patienten ohne Smartphone und bei technischen Störungen druckt die Praxis einen Ausdruck mit Datamatrix Code. Die Apotheke scannt den Code und löst das Rezept digital ein.

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Vorteile und Veränderungen im Versorgungsalltag

Für Arztpraxen

Das E Rezept beseitigt den Medienbruch zwischen digitaler Verordnung und Papierausdruck. Folgerezepte lassen sich ohne erneuten Praxisbesuch ausstellen: Der Arzt signiert, der Patient löst über die App oder die eGK ein. Die Abrechnung gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung erfolgt automatisiert. Fehlende Unterschriften, unleserliche Handschrift und verlorene Rezepte entfallen.

Für Apotheken

Apotheken erhalten eine vollständig strukturierte Verordnung. Artikelnummer, Dosierung, Packungsgröße und Sonderkennzeichen sind maschinenlesbar. Die Retaxierungsquote sinkt, weil Formfehler ausgeschlossen sind. Die elektronische Verfügbarkeitsprüfung gegen die eigene Lagersoftware wird möglich.

Für die Arzneimittelsicherheit

Das E Rezept ermöglicht erstmals eine automatisierte Interaktionsprüfung über den gesamten Verordnungsumfang eines Patienten. Verordnet ein Facharzt ein Medikament, das mit der Dauermedikation des Hausarztes interagiert, kann das System warnen. In Kombination mit der elektronischen Patientenakte und dem elektronischen Medikationsplan entsteht eine lückenlose Medikationsübersicht.

Für Patienten

Patienten müssen kein Papierrezept mehr aufbewahren. Die Einlösung funktioniert in jeder Apotheke Deutschlands. Über die App können Patienten Verfügbarkeitsanfragen an Apotheken senden und Lieferoptionen wählen. Alle Verordnungen sind in der App einsehbar, sofern der Patient sie nutzt.

Herausforderungen und Ausblick

Technische Stabilität

Die ersten Monate der Pflichteinführung verliefen mit erheblichen technischen Problemen. Konnektorausfälle, langsame TI Verbindungen und Inkompatibilitäten zwischen PVS Systemen und dem E Rezept Fachdienst führten zu Frustration in Praxen und Apotheken. Die gematik hat die Infrastruktur sukzessive stabilisiert. Seit Mitte 2024 liegt die Verfügbarkeit des Fachdienstes bei über 99,5 Prozent.

Erweiterung auf weitere Verordnungsarten

Das E Rezept gilt zunächst nur für apothekenpflichtige Arzneimittel auf Kassenrezept. Die Ausweitung auf Privatrezepte, BtM Rezepte, T Rezepte sowie Heil und Hilfsmittelverordnungen ist geplant, aber noch nicht umgesetzt. Auch die Verordnung von DiGA soll perspektivisch über den E Rezept Fachdienst laufen.

Europäische Perspektive

Der European Health Data Space (EHDS) sieht den grenzüberschreitenden Austausch von E Rezepten vor. Über die MyHealth@EU Infrastruktur sollen Versicherte künftig ein deutsches E Rezept in einer finnischen oder portugiesischen Apotheke einlösen können. Finnland, Estland und Kroatien haben bereits erste bilaterale Austausche umgesetzt.

E Rezept: Kommunikation und Vermarktung

Mit dem E Rezept ändern sich die Kommunikationsanforderungen für Softwareanbieter, Kassen, Pharmaunternehmen und Apotheken.

Kommunikationsfelder

  • PVS und Apothekensoftware: Anbieter müssen ihre E Rezept Integration vermarkten und Schulungsmaterialien bereitstellen.
  • Krankenkassen: Aufklärung der Versicherten über Einlösewege und die E Rezept App.
  • Pharmaunternehmen: Die strukturierte Verordnung liefert erstmals Echtzeitdaten über Verordnungsverhalten. Die Kommunikation muss den geänderten Informationsfluss berücksichtigen.
  • Apothekenketten und Versandapotheken: Die digitale Rezeptzuweisung und Verfügbarkeitsabfragen verschieben den Wettbewerb zwischen Vor-Ort- und Versandapotheken.

Sanofeld unterstützt als Healthcare Agentur Unternehmen im E Rezept Ökosystem bei Positionierung, Content Marketing und Fachkommunikation.

Siehe auch: Elektronische Gesundheitskarte · Elektronische Patientenakte · Digital Health · Apothekenpflichtig · Gesundheits Apps · Healthcare Advertising

Nutzung in Zahlen: Wie verbreitet das E Rezept ist

Die Pflichteinführung hat das E Rezept binnen kurzer Zeit zum Regelfall gemacht. Im ersten Halbjahr 2024 lösten Patientinnen und Patienten in Deutschland bereits 244 Millionen E Rezepte ein, im Schnitt rund 40 Millionen pro Monat und an Spitzentagen bis zu 2,4 Millionen Verordnungen. Am 17. Oktober 2025 meldete die gematik die Milliarde eingelöster E Rezepte, wobei täglich mehrere Millionen neue digitale Verordnungen hinzukommen. Für 2024 wies die gematik mehr als 500 Millionen zu Lasten der GKV ausgestellte E Rezepte aus.

KennzahlWertQuelle/Stand
Eingelöste E Rezepte 1. Halbjahr 2024244 Millionengematik, 01.07.2024
Durchschnitt pro Tag (Mitte 2024)mehr als 1,3 Millionengematik, 01.07.2024
Spitzenwert pro Tagbis zu 2,4 Millionengematik, 01.07.2024
Eingelöste E Rezepte 2024 (zu Lasten GKV)mehr als 500 Millionengematik, 2024
Marke 1 Milliarde eingelöste E Rezepte erreicht17. Oktober 2025gematik, 2025

Einlösewege in der Praxis

Die theoretischen drei Einlösewege werden im Alltag sehr ungleich genutzt. Nach Angaben der gematik nach sechs Monaten Pflicht entfielen 80 bis 90 Prozent der Einlösungen auf die elektronische Gesundheitskarte, 10 bis 20 Prozent auf den Papierausdruck und nur rund 1 Prozent auf die E Rezept App. Die Karte hat sich damit klar als Standardweg durchgesetzt, während die App trotz wachsender Funktionen ein Nischendasein führt.

Seit Januar 2025 fließen eingelöste E Rezepte zudem automatisch in die elektronische Medikationsliste innerhalb der elektronischen Patientenakte ein. Damit entsteht ohne Zutun von Praxen oder Versicherten eine fortlaufende Übersicht über Wirkstoff, Handelsname, Wirkstärke und Dosierung, die für die Prüfung von Wechselwirkungen genutzt werden kann.

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