Gesundheitskosten

Die Gesundheitskosten in Deutschland steigen seit Jahrzehnten schneller als das Bruttoinlandsprodukt. Demografischer Wandel, medizinischer Fortschritt und Personalkosten treiben die Ausgaben. Festbeträge, Rabattverträge und Wirtschaftlichkeitsprüfungen sollen gegensteuern.

Von Burak Uzun, Geschäftsführer der Sanofeld GmbH · Aktualisiert am 06.02.2025

Kostentreiber im Gesundheitswesen

Demografie

Die Alterung der Gesellschaft ist der stärkste Kostentreiber. Menschen über 65 Jahre verursachen pro Kopf etwa dreimal so hohe Gesundheitsausgaben wie 20 bis 45 Jährige. Die Zahl der über 80 Jährigen wird von 5,8 Millionen (2023) auf über 8 Millionen (2040) steigen. Multimorbidität und Pflegebedürftigkeit nehmen mit dem Alter zu. Allein die Demenzerkrankungen verursachen geschätzte Versorgungskosten von 50 Milliarden Euro jährlich.

Medizinischer Fortschritt

Neue Therapien, Diagnostikverfahren und Medizinprodukte verbessern die Versorgung, schlagen aber auf die Ausgaben. Gen und Zelltherapien erreichen Preise von mehreren Hunderttausend bis über eine Million Euro pro Patient. Onkologische Immuntherapien kosten 100.000 Euro und mehr pro Behandlungsjahr. Die Ausgaben der GKV für neue Arzneimittel (Patentmarkt) steigen jährlich um fünf bis acht Prozent.

Personalkosten

Über 60 Prozent der Krankenhauskosten und über 50 Prozent der Pflegeheimkosten entfallen auf Personal. Tarifsteigerungen, Fachkräftemangel und die gesetzliche Personalmindestbesetzung (Pflegepersonaluntergrenzen Verordnung) treiben die Personalkosten. Im ambulanten Bereich steigen die Vergütungen langsamer, was den Fachkräftemangel in der Pflege verschärft.

Kostenstrukturen nach Leistungsbereichen

Die Gesundheitsausgaben von rund 490 Milliarden Euro (2023) verteilen sich auf die Leistungsbereiche: stationäre Versorgung (etwa 110 Milliarden Euro), ambulante ärztliche Versorgung (55 Milliarden Euro), Arzneimittel (60 Milliarden Euro), Pflege (stationär und ambulant zusammen rund 65 Milliarden Euro), Zahnmedizin (20 Milliarden Euro), Heil und Hilfsmittel (22 Milliarden Euro), Verwaltungskosten der Kassen (14 Milliarden Euro). Die Anteile verschieben sich: Pflege und Arzneimittel wachsen überdurchschnittlich, der stationäre Sektor stagniert anteilig durch kürzere Verweildauern.

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Kostendämpfungsmaßnahmen

Festbeträge

Der G BA legt Festbeträge für Arzneimittel, Heil und Hilfsmittel fest. Der Festbetrag ist der Höchstbetrag, den die GKV erstattet. Liegt der Apothekenverkaufspreis darüber, zahlt der Patient die Differenz. Festbeträge gibt es auf drei Stufen: Stufe 1 (Arzneimittel mit identischem Wirkstoff), Stufe 2 (pharmakologisch therapeutisch vergleichbar), Stufe 3 (therapeutisch vergleichbare Wirkung).

Rabattverträge

Krankenkassen verhandeln Rabatte mit Arzneimittelherstellern. Bei Generika sind die Rabatte besonders ausgeprägt und sparen der GKV über fünf Milliarden Euro jährlich. Auch für patentgeschützte Arzneimittel werden zunehmend vertrauliche Rabattvereinbarungen (Managed Entry Agreements) geschlossen.

Wirtschaftlichkeitsprüfung

Paragraf 106 SGB V sieht die Prüfung der Wirtschaftlichkeit ärztlicher Verordnungen vor. Ärzte, die mit ihren Verordnungskosten erheblich über dem Fachgruppendurchschnitt liegen, werden zur Stellungnahme aufgefordert und können mit Regressen belegt werden. Die Prüfvereinbarungen haben sich in den letzten Jahren von Einzelfallprüfung hin zu Auffälligkeitsprüfungen und statistischen Verfahren entwickelt.

Eigenanteile und Zuzahlungen

Gesetzlich Versicherte tragen einen Teil der Gesundheitskosten selbst. Zuzahlungen fallen an für: Arzneimittel (10 Prozent des Preises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro), Krankenhausaufenthalt (10 Euro pro Tag, maximal 28 Tage pro Jahr), Heilmittel (10 Prozent der Kosten plus 10 Euro Verordnungsgebühr), Hilfsmittel (10 Prozent, mindestens 5 und höchstens 10 Euro) und Zahnersatz (Eigenanteil je nach Bonusheft 35 bis 50 Prozent).

Die Belastungsgrenze liegt bei 2 Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens (1 Prozent für chronisch Kranke). Wird sie überschritten, stellt die Krankenkasse eine Befreiung aus. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind von Zuzahlungen befreit. Sozialhilfeempfänger und Bürgergeld Bezieher zahlen auf Basis ihres Regelsatzes.

Gesundheitskosten: Kommunikation und Positionierung

Kostenfragen prägen die Gesundheitspolitik und betreffen Hersteller, Kassen, Leistungserbringer und Versicherte gleichermaßen.

  • Pharma Market Access: Darstellung des Werts einer Therapie im Verhältnis zu den Kosten.
  • Kassenverhandlungen: Vorbereitung von Preisverhandlungen und Erstattungsanträgen.
  • Versichertenkommunikation: Transparente Information über Zuzahlungen und Eigenanteile.
  • Politische Kommunikation: Positionierung in der Kostendebatte.

Sanofeld unterstützt als Healthcare Agentur Unternehmen bei Market Access Kommunikation und Healthcare PR.

Siehe auch: Gesundheitsausgaben · Gesundheitsökonomie · Gesundheitssystem · Medical Writing · Regulatory Affairs

Finanzierung und Beitragsentwicklung

Wer über Gesundheitskosten spricht, schaut meist auf die Ausgabenseite. Genauso entscheidend ist, wie sich diese Ausgaben finanzieren lassen, denn die Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung steigen mit den Kosten. Die folgenden Werte zeigen, wie Ausgaben und Beitragssätze in den letzten Jahren auseinanderlaufen.

KennzahlWertQuelle / Jahr
Gesundheitsausgaben gesamt538,2 Mrd. Euro (+7,6 % ggü. 2023)Destatis, April 2026 (für 2024)
Ausgaben je Einwohner6.444 EuroDestatis, April 2026 (für 2024)
Anteil am BIP12,4 %Destatis, April 2026 (für 2024)
Allgemeiner Beitragssatz GKV14,6 %§ 241 SGB V, 2026
Durchschnittlicher Zusatzbeitrag2,5 % (2025) auf 2,9 % (2026)BMG / GKV-Schätzerkreis, Okt. 2025
Beitragssatz Pflegeversicherung3,6 % (seit 1.1.2025)BMG, 2025

Die Gesundheitsausgaben kletterten 2024 um 37,9 Milliarden Euro und damit deutlich stärker als die Wirtschaftsleistung. Auf der Einnahmeseite reagiert das System mit höheren Beiträgen: Der Zusatzbeitrag verteuert die GKV 2026 spürbar, und die Pflegeversicherung wurde zum 1. Januar 2025 um 0,2 Prozentpunkte angehoben, was rechnerisch rund 3,7 Milliarden Euro Mehreinnahmen bringt. Für die Kostendebatte heißt das: Dämpfungsmaßnahmen auf der Ausgabenseite und Beitragsanpassungen auf der Einnahmeseite greifen ineinander.

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