Gesundheitsförderung stärkt die Gesundheitsressourcen von Menschen und Gemeinschaften. Die Ottawa Charta der WHO von 1986 definierte den Paradigmenwechsel: weg von der Krankheitsvermeidung, hin zur Stärkung gesundheitlicher Potenziale in Lebenswelten.
Von Burak Uzun, Geschäftsführer der Sanofeld GmbH · Aktualisiert am 06.02.2025
Die WHO Ottawa Charta von 1986 definiert Gesundheitsförderung als den Prozess, der Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit ermöglicht. Fünf Handlungsstrategien bilden den Rahmen: gesundheitsförderliche Gesamtpolitik entwickeln, gesundheitsförderliche Lebenswelten schaffen, gesundheitsbezogene Gemeinschaftsaktionen unterstützen, persönliche Kompetenzen entwickeln und Gesundheitsdienste neu orientieren.
Der Settingansatz ist das methodische Kernstück: Gesundheitsförderung setzt dort an, wo Menschen leben, lernen und arbeiten, in Kitas, Schulen, Betrieben, Kommunen und Pflegeeinrichtungen. Der Ansatz adressiert Verhältnisse (strukturelle Bedingungen) ebenso wie Verhalten (individuelles Handeln).
Gesundheitserziehung in Kita und Schule wird über strukturierte Programme umgesetzt. Programme wie Tiger Kids, Klasse2000 und fit4future erreichen Kinder und Jugendliche frühzeitig. Schwerpunkte sind Bewegung, Ernährung, psychische Gesundheit und Suchtprävention. Die Kultusministerkonferenz hat Gesundheitsförderung als Querschnittsaufgabe in den Bildungsplänen verankert.
Kommunale Gesundheitsförderung setzt auf Präventionsketten, die Angebote von der Schwangerschaft bis ins hohe Alter verknüpfen. Das Netzwerk Gesunde Städte der WHO umfasst in Deutschland über 90 Mitgliedskommunen. Die GKV fördert kommunale Projekte mit jährlich über 100 Millionen Euro.
Sanofeld ist eine Healthcare Agentur für Omnichannel Marketing, RX & OTC, Social Media und Paid Marketing.
BGF nach ��20b SGB V umfasst Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und des Gesundheitsverhaltens. Der steuerfreie Arbeitgeberzuschuss von 600 Euro pro Mitarbeiter und Jahr fördert zertifizierte Maßnahmen. Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) verbindet BGF, Arbeitsschutz und betriebliches Eingliederungsmanagement unter einem Dach. Studien zeigen ROI Werte von 1:2,3 bis 1:5,9 durch reduzierten Krankenstand und gesteigerte Produktivität.
Die GKV Kommunalförderung unterstützt strukturschwache Kommunen bei der Entwicklung von Gesundheitsförderungsstrategien. Koordinierungsstellen Gesundheitliche Chancengleichheit in jedem Bundesland beraten Kommunen und vernetzen Akteure. Das Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit der BZgA dokumentiert über 4.000 Praxisprojekte in seiner Datenbank.
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Soziale Benachteiligung korreliert mit schlechterer Gesundheit: niedrigerer sozioökonomischer Status geht mit höherer Mortalität, mehr chronischen Erkrankungen und geringerer Lebenserwartung einher. Die Differenz beträgt bei Männern bis zu zehn Lebensjahre. Gesundheitsförderung für vulnerable Gruppen setzt an den sozialen Determinanten an: Bildung, Einkommen, Wohnbedingungen, Teilhabe. Programme für Menschen mit Migrationshintergrund berücksichtigen sprachliche und kulturelle Barrieren.
Der Kooperationsverbund hat Qualitätskriterien für gute Praxis der Gesundheitsförderung definiert: Partizipation, Empowerment, Settingansatz, Nachhaltigkeit und Dokumentation. Die Praxisdatenbank Gesundheitliche Chancengleichheit dokumentiert evaluierte Projekte. Wirksamkeitsnachweise in der Gesundheitsförderung sind methodisch anspruchsvoll, weil RCTs in Lebensweltsettings oft nicht durchführbar sind. Quasi experimentelle Designs und Theory of Change Ansätze kommen ergänzend zum Einsatz.
Das Präventionsgesetz von 2015 legt Mindestausgaben fest: 7 Euro pro Versicherten und Jahr für Primärprävention, davon mindestens 2 Euro für BGF und 2 Euro für Lebensweltförderung. Die GKV gibt insgesamt rund 600 Millionen Euro jährlich für Prävention und Gesundheitsförderung aus. Ob diese Summe ausreicht, ist umstritten: Sie entspricht weniger als 0,2 Prozent der GKV Gesamtausgaben.
Sanofeld unterstützt als Healthcare Agentur Unternehmen und Organisationen bei Gesundheitskommunikation und Kampagnenentwicklung.
Siehe auch: Gesundheitsvorsorge · Präventivmedizin · Gesundheitsbildung · Healthcare Advertising · Social Media · Fitness · Wellness · Gesundheitskiosk
Wie stark Gesundheitsförderung in Deutschland tatsächlich greift, lässt sich am jährlichen Präventionsbericht des GKV-Spitzenverbandes ablesen. Für das Berichtsjahr 2024 investierten die gesetzlichen Krankenkassen rund 686 Millionen Euro in Prävention und Gesundheitsförderung und übertrafen damit das Vor-Corona-Niveau von 2019 (rund 630,8 Millionen Euro). Die folgenden Kennzahlen ordnen Ausgaben und erreichte Menschen nach den drei Förderwegen.
| Förderbereich | Kennzahl 2024 | Quelle |
|---|---|---|
| Lebensweltbezogene Förderung (Settings) | rund 8,9 Mio. erreichte Menschen in 52.535 Settings, 5.160 Aktivitäten | GKV-Spitzenverband, Präventionsbericht 2025 (Berichtsjahr 2024) |
| Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) | 2,064 Mio. erreichte Beschäftigte in 28.142 Betrieben, 282 Mio. Euro Ausgaben | GKV-Spitzenverband, Präventionsbericht 2025 |
| Individuelle Gesundheitskurse | rund 1,9 Mio. geförderte Teilnehmende (+17 % ggü. 2023) | GKV-Spitzenverband, Präventionsbericht 2025 |
| Prävention in stationärer Pflege | 125.000 erreichte Pflegebedürftige, 25 Mio. Euro (+25 %) | GKV-Spitzenverband, Präventionsbericht 2025 |
| Orientierungswert je Versicherten | 8,53 Euro (2024) gemäß § 20 Abs. 6 SGB V | § 20 Abs. 6 SGB V / GKV-Spitzenverband |
Auffällig ist die gegenläufige Bewegung der beiden großen Settings: Während die lebensweltbezogene Förderung 2024 um etwa 15 Prozent mehr Menschen erreichte, gingen die in der BGF erreichten Beschäftigten um 6 Prozent und die teilnehmenden Betriebe um 5 Prozent zurück. Der gesetzliche Orientierungswert von 8,53 Euro je Versicherten liegt deutlich über dem 2015 im Präventionsgesetz festgeschriebenen Mindestrichtwert und wird jährlich an die Lohnentwicklung angepasst.
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