Gesundheitsbildung vermittelt Wissen, Einstellungen und Fertigkeiten, die Menschen befähigen, gesundheitsbewusst zu handeln. Sie reicht von der schulischen Gesundheitserziehung bis zur Erwachsenenbildung und ist eine Voraussetzung für Gesundheitskompetenz.
Von Burak Uzun, Geschäftsführer der Sanofeld GmbH · Aktualisiert am 20.02.2025
Gesundheitsbildung (Health Education) ist der strukturierte Prozess der Wissensvermittlung über Gesundheit und Krankheit. Sie unterscheidet sich von Gesundheitserziehung (stärker pädagogisch normativ angelegt) und von Gesundheitsförderung (die auch Verhältnisse verändert, nicht nur Verhalten). Gesundheitsbildung liefert das Fundament: Wer nichts über Risikofaktoren, Vorsorgemöglichkeiten und das Gesundheitssystem weiß, kann weder präventiv handeln noch informierte Entscheidungen treffen.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist die zentrale Bundesbehörde für Gesundheitsinformation und Aufklärung. Ihre Programme wie Mach's mit, Kenn dein Limit, Organspende und rauchfrei kombinieren Kampagnen, Materialien und Beratungsangebote.
Sanofeld ist eine Healthcare Agentur für Omnichannel Marketing, RX & OTC, Social Media und Paid Marketing.
Die Kultusministerkonferenz hat Gesundheitsbildung als fächerübergreifendes Bildungsziel verankert. In der Praxis variiert die Umsetzung erheblich zwischen den Bundesländern. Themen wie Ernährung, Bewegung, Suchtprävention und psychische Gesundheit werden in Biologie, Sport und Sozialkunde integriert.
Volkshochschulen, Familienbildungsstätten und Selbsthilfegruppen tragen die Gesundheitsbildung im Erwachsenenbereich. Patientenschulungen bei chronischen Erkrankungen (Diabetes, Asthma, Rheuma) kombinieren medizinisches Wissen mit praktischen Alltagskompetenzen. Das HLS GER 2 (Health Literacy Survey Germany 2) zeigt, dass 58 Prozent der Bevölkerung eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz aufweisen.
Digitale Kanäle erweitern die Wege der Gesundheitsbildung. YouTube Erklärvideos, Podcasts, Social Media Kampagnen und interaktive E Learning Module erreichen insbesondere jüngere Zielgruppen. Die Qualität variiert enorm: Neben evidenzbasiertem Content stehen Fehlinformationen, Produktwerbung und Pseudowissenschaft.
Die BZgA baut ihre digitalen Angebote aus (liebesleben.de, infektionsschutz.de). Krankenkassen bieten Online Gesundheitskurse und Webinare an. Die Herausforderung liegt in der Qualitätssicherung digitaler Gesundheitsbildung und der Erreichung sozial benachteiligter Gruppen, die digitale Angebote seltener nutzen.
Sanofeld unterstützt als Healthcare Agentur Unternehmen bei der Entwicklung von Gesundheitsbildungsmaterialien und Medical Writing.
Siehe auch: Gesundheitserziehung · Gesundheitskompetenz · Gesundheitsinformation · Healthcare PR · Health Influencer
Gesundheitsbildung ist in Deutschland gesetzlich unterlegt und über die gesetzliche Krankenversicherung mitfinanziert. Seit dem Präventionsgesetz von 2015 gibt § 20 Abs. 6 SGB V einen Richtwert vor: Die Krankenkassen sollen ab 2019 je Versichertem 7,52 Euro für Primärprävention und Gesundheitsförderung aufwenden, ein Betrag, der jährlich anhand der Bezugsgröße nach § 18 SGB IV fortgeschrieben wird. Wie viel davon tatsächlich in Bildungsarbeit fließt und wen sie erreicht, dokumentiert der jährliche Präventionsbericht des GKV-Spitzenverbands.
| Kennzahl | Wert | Quelle (Jahr) |
|---|---|---|
| Richtwert Prävention je Versichertem | 7,52 Euro (ab 2019, jährlich fortgeschrieben) | § 20 Abs. 6 SGB V / Präventionsgesetz (2015) |
| Gesamtausgaben GKV für Gesundheitsförderung und Prävention | 630,6 Mio. Euro | GKV-Präventionsbericht 2024, Berichtsjahr 2023 |
| Teilnahmen an Individualpräventionskursen | 1.613.532 (plus 25 % gegenüber 2022) | GKV-Präventionsbericht 2024, Berichtsjahr 2023 |
| Dokumentierte Aktivitäten in Lebenswelten (Kitas, Schulen, Kommunen) | 4.467 (2022: 4.363) | GKV-Präventionsbericht 2024, Berichtsjahr 2023 |
Über die Kassenleistungen hinaus hat die Wissenschaft den Rahmen gesteckt. Der Nationale Aktionsplan Gesundheitskompetenz, vorgestellt am 19. Februar 2018 von Forschenden der Universität Bielefeld und der Hertie School und gefördert von der Robert Bosch Stiftung und dem AOK-Bundesverband, formuliert 15 Empfehlungen. Sie reichen von der Verankerung in allen Lebenswelten über ein nutzerfreundliches Gesundheitssystem bis zum kompetenten Umgang mit chronischer Krankheit und liefern damit eine Agenda, an der sich Bildungsangebote messen lassen.
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