Gesundheitsexperten prägen mit ihrer Expertise Forschung, Politikberatung und öffentliche Debatte. Von der STIKO über den Sachverständigenrat bis zu Medical Influencern: Fachwissen muss verständlich kommuniziert werden, um Wirkung zu entfalten.
Von Burak Uzun, Geschäftsführer der Sanofeld GmbH · Aktualisiert am 06.02.2025
Der Begriff Gesundheitsexperte ist weit gefasst: Ärzte aller Fachrichtungen, Public Health Wissenschaftler, Epidemiologen, Pflegewissenschaftler, Gesundheitsökonomen, Pharmazeuten und Psychologen bringen spezialisiertes Wissen in Forschung, Versorgung und Beratung ein. Die Expertise kann klinisch (Facharzt), wissenschaftlich (Forschung), regulatorisch (Behörden) oder kommunikativ (Wissenschaftskommunikation) ausgerichtet sein.
Der klassische Weg führt über Medizinstudium, Facharztweiterbildung und gegebenenfalls Habilitation. Für Public Health steht der Master of Public Health (MPH) an Universitäten wie Berlin, Bielefeld, Hamburg, Hannover und München. Gesundheitswissenschaftler, Epidemiologen und Versorgungsforscher promovieren typischerweise in ihrem Fach. Die Karrierewege umfassen Universitätsklinika, Forschungsinstitute (RKI, DKFZ, Helmholtz), Behörden (BfArM, PEI), Industrie und Beratung.
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR Gesundheit) berät Bundesregierung und Bundestag mit Gutachten zu Versorgung, Finanzierung und Qualität. Seine Mitglieder sind sieben vom BMG berufene Wissenschaftler aus Medizin, Ökonomie und Pflegewissenschaft.
Die Ständige Impfkommission am RKI empfiehlt den Impfkalender. Ihre 18 Mitglieder sind Experten für Infektiologie, Virologie, Epidemiologie und Public Health. STIKO Empfehlungen werden vom G BA in den GKV Leistungskatalog überführt.
Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina veröffentlicht Stellungnahmen zu gesundheitsrelevanten Themen. Während der COVID 19 Pandemie waren ihre Empfehlungen besonders einflussreich.
Sanofeld ist eine Healthcare Agentur für Omnichannel Marketing, RX & OTC, Social Media und Paid Marketing.
KOLs (Key Opinion Leaders) sind Fachärzte und Forscher, die in ihrem Spezialgebiet meinungsbildend wirken. Sie publizieren, referieren auf Kongressen und beraten Leitlinienkommissionen. Pharma und MedTech Unternehmen arbeiten mit KOLs als Beratern, Referenten und Studienautoren zusammen.
Die Pandemie hat Virologen und Epidemiologen zu öffentlichen Figuren gemacht. Christian Drosten, Sandra Ciesek und Karl Lauterbach prägten den öffentlichen Diskurs. Die Erfahrung zeigt: Wissenschaftler müssen Unsicherheit kommunizieren können, ohne Vertrauen zu verlieren. Expertendatenbanken wie Sciencemediacentre.de und Informationsdienst Wissenschaft (idw) vermitteln Journalisten passende Experten.
Eine neue Generation von Gesundheitsexperten kommuniziert über TikTok, Instagram und YouTube. Ärzte wie Doc Felix oder die Dermatologin Dr. Yael Adler erreichen Hunderttausende mit Aufklärungsvideos. Der Nutzen liegt in niedrigschwelliger Gesundheitsbildung, in der Entstigmatisierung von Krankheiten und in der Motivation zur Vorsorge. Demgegenüber stehen handfeste Risiken: komplexe Zusammenhänge werden verkürzt, eine Peer Review fehlt, Kooperationen können zu Interessenkonflikten führen, und die Grenze zwischen evidenzbasierter Information und persönlicher Meinung verschwimmt.
Sanofeld unterstützt als Healthcare Agentur Unternehmen bei KOL Management, Healthcare PR und Wissenschaftskommunikation.
Siehe auch: Gesundheitskommunikation · Medizinjournalismus · Gesundheitsportal · Medical Writing · Health Influencer
Wie viel Gewicht Gesundheitsexperten in der Öffentlichkeit haben, entscheidet sich neben der fachlichen Qualifikation am gesellschaftlichen Vertrauen in Wissenschaft. Aktuelle Erhebungen zeigen, dass dieses Vertrauen stabil, aber nicht selbstverständlich ist, und dass sich viele Menschen schlecht über wissenschaftliche Entwicklungen informiert fühlen.
| Kennzahl | Wert | Quelle (Jahr) |
|---|---|---|
| Vertrauen in Wissenschaft und Forschung | 54 Prozent | Wissenschaftsbarometer, Wissenschaft im Dialog (2025) |
| Fühlen sich gut über Wissenschaft informiert | 25 Prozent (2024: rund 30, 2023: knapp 40) | Wissenschaftsbarometer, Wissenschaft im Dialog (2025) |
| Wünschen aktives Eingreifen von Forschenden bei verfälschten Fakten | 70 Prozent | Wissenschaftsbarometer, Wissenschaft im Dialog (2025) |
| Berufstätige Ärztinnen und Ärzte (Stichtag 31.12.2024) | rund 437.000 | Bundesärztekammer, Ärztestatistik (2024) |
| Anteil Frauen an der berufstätigen Ärzteschaft | 50,1 Prozent (erstmals Mehrheit) | Bundesärztekammer, Ärztestatistik (2024) |
Die Erhebung von Wissenschaft im Dialog vom 4. November 2025 macht ein Spannungsfeld sichtbar: Eine knappe Mehrheit vertraut der Wissenschaft, gleichzeitig fühlt sich nur jede vierte befragte Person gut informiert, und 77 Prozent nehmen eine zunehmende gesellschaftliche Polarisierung wahr. Für Gesundheitsexperten heißt das, dass Erreichbarkeit und verständliche Einordnung ähnlich wichtig werden wie die Fachexpertise selbst.
Eine zentrale Anlaufstelle für die Vermittlung zwischen Forschung und Redaktionen ist das 2015 von der Klaus Tschira Stiftung gegründete Science Media Center Germany mit Sitz in Köln, das sein erstes Angebot im April 2016 veröffentlichte. Es stellt Journalistinnen und Journalisten kostenfrei und interessenneutral fachliche Einschätzungen und Ansprechpartner aus verschiedenen Disziplinen bereit, besonders bei eilbedürftigen Themen wie Seuchenausbrüchen oder überraschenden Studienergebnissen.
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