Deutschland gibt rund 490 Milliarden Euro pro Jahr für Gesundheit aus, 12,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Nur die USA und die Schweiz haben eine höhere Gesundheitsausgabenquote. Die Gesundheitsausgabenrechnung des Statistischen Bundesamts dokumentiert, wohin das Geld fließt.
Von Burak Uzun, Geschäftsführer der Sanofeld GmbH · Aktualisiert am 06.02.2025
Das Statistische Bundesamt erstellt jährlich die Gesundheitsausgabenrechnung (GAR) nach der internationalen SHA Methodik (System of Health Accounts). Die GAR erfasst alle laufenden Ausgaben und Investitionen für Gesundheit, unabhängig vom Finanzierungsträger. Sie unterscheidet nach Ausgabenträgern, Leistungsarten und Einrichtungsarten.
Die Gesundheitsausgaben stiegen von 214 Milliarden Euro (2000) über 328 Milliarden Euro (2015) auf rund 490 Milliarden Euro (2023). Inflationsbereinigt entspricht das einer realen Steigerung von etwa 3 Prozent pro Jahr. Die COVID 19 Pandemie verursachte einen einmaligen Ausgabensprung (Impfstoffe, Schutzausrüstung, Krankenhausfreihaltepauschalen), der sich in den Folgejahren normalisierte.
Die Pro Kopf Gesundheitsausgaben liegen bei rund 5.800 Euro pro Jahr (2023). Sie variieren altersabhängig erheblich: Für Kinder unter 15 Jahren werden etwa 2.400 Euro pro Kopf ausgegeben, für 65 bis 84 Jährige rund 8.800 Euro, für über 85 Jährige über 18.000 Euro.
Die GKV ist mit rund 295 Milliarden Euro (2023) der größte Finanzierungsträger und deckt rund 60 Prozent der Gesundheitsausgaben. Die Ausgaben verteilen sich auf: Krankenhausbehandlung (90 Milliarden Euro), vertragsärztliche Vergütung (50 Milliarden Euro), Arzneimittel (52 Milliarden Euro), Zahnärztliche Behandlung (17 Milliarden Euro), Heil und Hilfsmittel (20 Milliarden Euro), Krankengeld (18 Milliarden Euro), Verwaltung (13 Milliarden Euro).
Die PKV gibt rund 35 Milliarden Euro pro Jahr aus. Die höheren Pro Kopf Ausgaben spiegeln den erweiterten Leistungskatalog und die höheren Vergütungssätze (GOÄ statt EBM) wider.
Arbeitgeber tragen rund 70 Milliarden Euro (Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, betriebliche Gesundheitsförderung, Arbeitsschutz). Privathaushalte zahlen rund 55 Milliarden Euro (Zuzahlungen, Selbstmedikation, IGeL, Brillen). Die öffentlichen Haushalte finanzieren rund 25 Milliarden Euro (Beihilfe für Beamte, Gesundheitsämter, Investitionsförderung der Länder).
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Im OECD Vergleich liegt Deutschland mit 12,9 Prozent Gesundheitsausgabenquote auf Platz 3 nach den USA (17,3 Prozent) und der Schweiz (12,1 Prozent laufende Ausgaben, nach älterer Methodik höher). Der OECD Durchschnitt liegt bei 9,2 Prozent. Die hohen deutschen Ausgaben korrelieren nicht mit proportional besseren Gesundheitsergebnissen: Die Lebenserwartung (81,2 Jahre) liegt unter dem Niveau von Japan (84,8), der Schweiz (83,4) und Spanien (83,3).
Das britische NHS System gibt 10,3 Prozent des BIP aus, kämpft aber mit langen Wartezeiten und Personalmangel. Das US System gibt am meisten aus, versorgt aber 27 Millionen Menschen nicht. Skandinavische Länder erzielen bei moderaten Ausgaben (10 bis 11 Prozent) gute Gesundheitsergebnisse durch Prävention, Primärversorgung und Digitalisierung. Der direkte Vergleich ist methodisch komplex, weil die Abgrenzung von Gesundheitsausgaben und Sozialausgaben zwischen Ländern variiert.
Projektionen des Bundesversicherungsamts und der Bertelsmann Stiftung schätzen die GKV Ausgaben bis 2040 auf 450 bis 500 Milliarden Euro (ohne PKV und andere Träger). Der Demografieeffekt allein, mehr ältere, weniger junge Beitragszahler, wird den Beitragssatz auf über 18 Prozent treiben, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Die Digitalisierung verspricht Effizienzgewinne: Vermeidung von Doppeluntersuchungen durch die ePA, Reduktion von Arzneimittelinteraktionen durch den elektronischen Medikationsplan, Substitution stationärer durch ambulante Leistungen durch Telemedizin und Telemonitoring. Die McKinsey Studie zum Digitalisierungspotenzial im deutschen Gesundheitswesen beziffert das Einsparpotenzial auf bis zu 42 Milliarden Euro jährlich. Skeptiker halten diese Zahl für überzogen und verweisen darauf, dass Digitalisierung zunächst Investitionen erfordert.
Gesundheitsausgabendaten fließen in Reformdebatten zur Beitragssatz- und Finanzierungspolitik ein und dienen Unternehmen der Branche als Marktreferenz.
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Siehe auch: Gesundheitskosten · Gesundheitsökonomie · Gesundheitssektor · Medical Writing · Regulatory Affairs
Das Statistische Bundesamt hat im April 2026 erstmals Werte für 2024 vorgelegt. Sie liegen deutlich über den Zahlen, die diese Seite bisher für 2023 nennt, und zeigen nach dem coronabedingten Sondereffekt wieder einen kräftigen Anstieg. Die folgende Tabelle fasst die jüngsten Eckdaten zusammen.
| Kennzahl | Wert 2024 | Quelle / Jahr |
|---|---|---|
| Gesundheitsausgaben gesamt | 538,2 Mrd. Euro | Destatis, PM 02.04.2026 |
| Veränderung gegenüber 2023 | plus 37,9 Mrd. Euro (plus 7,6 Prozent) | Destatis, PM 02.04.2026 |
| Ausgaben je Einwohner | 6.444 Euro | Destatis, PM 02.04.2026 |
| Anteil am BIP | 12,4 Prozent | Destatis, PM 02.04.2026 |
| Schätzung 2025 | 579,5 Mrd. Euro | Destatis, PM 02.04.2026 |
| Endgültiger Wert 2023 | 491,6 Mrd. Euro | Destatis, PM 24.07.2025 |
Größter Ausgabenträger blieb die gesetzliche Krankenversicherung mit 300,8 Milliarden Euro, was 55,9 Prozent entspricht. Auf die soziale Pflegeversicherung entfielen 64,7 Milliarden Euro (12,0 Prozent), auf private Haushalte 65,0 Milliarden Euro (12,1 Prozent) und auf die private Krankenversicherung 44,8 Milliarden Euro (8,3 Prozent). Knapp die Hälfte der Mittel floss mit 259,4 Milliarden Euro (48,2 Prozent) an ambulante Einrichtungen wie Arztpraxen und Apotheken. Über die vergangenen 30 Jahre haben sich die Gesundheitsausgaben fast verdreifacht, denn 1994 lagen sie noch bei 175,3 Milliarden Euro.
Neben der Aufteilung nach Ausgabenträgern weist Destatis aus, welche Sektoren die laufenden Gesundheitsausgaben letztlich finanzieren. Hier zeigt sich 2024 ein anderes Bild: Private Haushalte finanzierten 54,3 Prozent (286,8 Milliarden Euro), vor allem über die Sozialbeiträge der Arbeitnehmer. Unternehmen steuerten 31,1 Prozent bei (164,5 Milliarden Euro), der Staat 14,0 Prozent (73,9 Milliarden Euro). Damit kehrte der Finanzierungsanteil der privaten Haushalte nach dem Pandemietief von 49,5 Prozent im Jahr 2022 wieder auf das Niveau von vor der Pandemie zurück.
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